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Leistungsverzeichnis erstellen: Der komplette Leitfaden (LBH, ÖNORM)

Wie ein Leistungsverzeichnis in Österreich aufgebaut ist, welche ÖNORMen gelten, was das Leistungsbuch Hochbau (LBH) ist und wie Sie ein LV Schritt für Schritt erstellen.

23. Juni 2026 · 8 Min. Lesezeit

Bepreistes Leistungsverzeichnis mit LBH-Positionen in BauKIT

Das Leistungsverzeichnis ist das Rückgrat jeder Bauausschreibung. Ist es sauber, vollständig und normkonform, laufen Vergabe und Abrechnung reibungslos. Ist es lückenhaft, folgen Nachträge, Streit und Kostenüberschreitungen. Dieser Leitfaden zeigt, wie ein Leistungsverzeichnis in Österreich aufgebaut ist, welche Normen gelten und wie Sie in klaren Schritten zu einem belastbaren LV kommen.

Was ist ein Leistungsverzeichnis?

Ein Leistungsverzeichnis (LV) ist die strukturierte, positionsweise Auflistung aller zu erbringenden Bauleistungen eines Projekts — jeweils mit Menge, Einheit und einer eindeutigen Leistungsbeschreibung. Es beantwortet für jedes Gewerk die Frage: Was ist in welcher Menge und Qualität zu leisten? Das LV ist damit die gemeinsame Sprache zwischen Bauherr, Planer und ausführender Firma und die Grundlage für Ausschreibung, Angebot, Vergabe und Abrechnung.

Ein einzelner Eintrag im LV heißt Position. Eine typische Position besteht aus Positionsnummer, Kurz- und Langtext (die Leistungsbeschreibung), Menge, Einheit und — im bepreisten LV — dem Einheitspreis (EP) sowie dem Gesamtpreis (GP = Menge × EP).

LV, Mengenermittlung und Kostenschätzung — die Abgrenzung

Diese drei Begriffe werden oft vermischt, meinen aber Unterschiedliches:

  • Mengenermittlung: ermittelt die reinen Massen aus dem Plan (z. B. 243 m² Estrich). Mehr dazu im Beitrag Mengenermittlung aus dem Einreichplan.
  • Leistungsverzeichnis: ordnet diesen Mengen standardisierte Positionen und Leistungstexte zu und macht sie — mit Preisen — kalkulier- und abrechenbar.
  • Kostenschätzung: eine frühe, gröbere Prognose der Gesamtkosten, oft noch ohne detailliertes LV.

Der Aufbau eines Leistungsverzeichnisses

Ein vollständiges LV gliedert sich üblicherweise in:

  1. Vorbemerkungen: projektbezogene Rahmenbedingungen, Baustellenverhältnisse, geltende Normen und allgemeine Regelungen.
  2. Leistungsgruppen (LG) und Unterleistungsgruppen (ULG): die thematische Gliederung, meist nach Gewerken geordnet (z. B. Erdarbeiten, Beton, Estrich, Fenster).
  3. Positionen: die einzelnen Leistungen mit Menge, Einheit und Beschreibung — der eigentliche Inhalt des LV.

Positionen unterscheidet man außerdem in Normalpositionen (fest kalkuliert), Eventualpositionen (nur bei Bedarf) und Wahlpositionen (Alternativen). Diese saubere Trennung verhindert später Missverständnisse bei der Abrechnung.

Die ÖNORM-Grundlagen

In Österreich stützt sich die Ausschreibung auf ein eingespieltes Set an Normen:

  • ÖNORM A 2063 regelt den elektronischen Austausch von Ausschreibungs-, Angebots-, Auftrags- und Abrechnungsdaten. Das darin definierte ONLV-Format ist der Standard, mit dem LVs zwischen Programmen ausgetauscht werden.
  • ÖNORM B 2061 beschreibt die Preisermittlung für Bauleistungen — die Grundlage für nachvollziehbare Einheitspreise und die bekannten K-Blätter.
  • Standardisierte Leistungsbeschreibungen wie die LB-HB (Leistungsbeschreibung Hochbau, kurz oft LBH) liefern einheitlich nummerierte, vorformulierte Positionstexte.

ONLV und ONLB: die Austauschformate

Damit ein Leistungsverzeichnis zwischen Bauherr, Planer und Firma und zwischen unterschiedlichen Programmen wandern kann, braucht es ein gemeinsames Dateiformat. ÖNORM A 2063 definiert dafür zwei zentrale:

  • ONLB — die standardisierte Leistungsbeschreibung ohne projektspezifische Mengen. Sie liefert die Positionstexte, aus denen ausgewählt wird.
  • ONLV — das projektbezogene Leistungsverzeichnis mit den ausgewählten Positionen und den konkreten Mengen. Optional bepreist, wird daraus die Angebots- bzw. Abrechnungsdatei.

Praktisch heißt das: Wer sein LV als ONLV exportiert, kann es verlustfrei in gängige AVA-Programme wie Nevaris, ABK oder Auer Success einlesen — ohne eine einzige Position abzutippen.

Das Leistungsbuch Hochbau (LBH) — warum es zählt

Statt jede Position frei zu formulieren, greifen Ausschreibende auf die standardisierte Leistungsbeschreibung Hochbau zurück. Jede Position hat dort eine feste Nummer und einen geprüften Text — etwa „11.24.03 Unterlagsestrich". Das bringt drei Vorteile:

  • Vergleichbarkeit: Angebote verschiedener Firmen beziehen sich auf denselben Text und sind direkt vergleichbar.
  • Rechtssicherheit: die Texte sind erprobt und normkonform, das reduziert Auslegungsstreit.
  • Effizienz: kein Neuschreiben, weniger Fehler, schnellere Erstellung.

Schritt für Schritt zum fertigen LV

  1. Mengen ermitteln: Massen je Bauteil und Gewerk aus dem Plan ableiten — mit nachvollziehbarer Herleitung.
  2. Positionen zuordnen: jede Menge der passenden LBH-Position mit korrektem Leistungstext zuweisen.
  3. Gliedern: Positionen in Leistungs- und Unterleistungsgruppen strukturieren.
  4. Vorbemerkungen ergänzen: Rahmenbedingungen und Besonderheiten der Baustelle festhalten.
  5. Bepreisen (optional): Einheitspreise ansetzen — für das Kostenbudget des Bauherrn oder das Angebot der Firma.
  6. Exportieren: als ONLV-Datei für die Ausschreibung bzw. den Import in die AVA-Software.
Export eines Leistungsverzeichnisses als ONLV-Datei für Nevaris, ABK und Auer Success
Fertiges LV als ONLV-Datei exportieren — importierbar in Nevaris, ABK und Auer Success.

Häufige Fehler beim LV

  • Vergessene Positionen: Nebenleistungen wie Randdämmstreifen, Fugen oder Anschlüsse fehlen und tauchen später als Nachtrag auf.
  • Falsche Einheiten: m² statt lfm, oder Stück statt m³ — ein kleiner Tippfehler mit großer Preiswirkung.
  • Unklare Leistungstexte: frei formulierte Positionen ohne LBH-Bezug öffnen Interpretationsspielraum.
  • Mengen ohne Nachweis: Zahlen, deren Herleitung niemand mehr nachvollziehen kann, sind bei Prüfung und Abrechnung ein Risiko.

Abrechnung: Aufmaß-LV oder Pauschale

Wie das LV später abgerechnet wird, sollte von Anfang an klar sein, denn es prägt die Sorgfalt bei den Mengen:

  • Einheitspreisvertrag (Aufmaß-LV): Abgerechnet werden die tatsächlich erbrachten Mengen zu den vereinbarten Einheitspreisen. Die LV-Mengen sind Vordersätze — Abweichungen werden über das Aufmaß korrigiert. Hier ist eine belegte Mengenermittlung Gold wert.
  • Pauschalvertrag: Ein Festpreis für die beschriebene Leistung. Umso wichtiger ist ein vollständiges LV — was nicht drinsteht, ist auch nicht bezahlt und führt zu Nachträgen.

In beiden Fällen gilt: Je nachvollziehbarer die Mengen hergeleitet sind, desto weniger Angriffsfläche bietet das LV bei Prüfung und Abrechnung.

Checkliste: Bevor das LV rausgeht

  • Sind alle Gewerke und Nebenleistungen abgedeckt?
  • Stimmen Einheiten und Mengen mit dem Plan überein?
  • Beziehen sich die Positionen auf standardisierte LBH-Texte?
  • Sind Eventual- und Wahlpositionen als solche gekennzeichnet?
  • Enthalten die Vorbemerkungen die relevanten Rahmenbedingungen?
  • Ist jede Menge mit einer Herleitung belegt?
  • Liegt das LV als ONLV für den Import bereit?

Der digitale Weg: LV automatisiert erstellen

Klassisch entsteht ein LV in Stunden bis Tagen Handarbeit. Genau hier setzt BauKIT an: Aus dem hochgeladenen Einreichplan erzeugt die KI eine Mengenermittlung samt bepreistem Leistungsverzeichnis auf Basis der LBH-Positionen — jede Menge mit nachvollziehbarer Herleitung und geprüft nach ÖNORM, OIB und BauKG. Das Ergebnis lässt sich als ONLV-Datei direkt nach Nevaris, ABK oder Auer Success exportieren.

So wird aus tagelanger Vorarbeit eine Aufgabe von Minuten — bei voller Prüfbarkeit jeder Position.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist ein Leistungsverzeichnis?

Ein Leistungsverzeichnis (LV) ist die strukturierte, positionsweise Auflistung aller Bauleistungen eines Projekts mit Mengen, Einheiten und Leistungsbeschreibung. Es bildet die Grundlage für Ausschreibung, Angebot, Vergabe und Abrechnung.

Was bedeutet LBH?

LBH steht für das Leistungsbuch Hochbau — die standardisierte Leistungsbeschreibung Hochbau (LB-HB) in Österreich. Sie liefert einheitlich nummerierte, textlich vorformulierte Positionen, sodass Ausschreibungen vergleichbar und normkonform werden.

Welche ÖNORMen sind für ein Leistungsverzeichnis relevant?

Zentral sind ÖNORM A 2063 (Datenaustausch von Ausschreibungs-, Angebots- und Abrechnungsdaten, u. a. das ONLV-Format), ÖNORM B 2061 (Preisermittlung für Bauleistungen) sowie die standardisierten Leistungsbeschreibungen wie die LB-HB für den Hochbau.

Was ist der Unterschied zwischen Mengenermittlung und Leistungsverzeichnis?

Die Mengenermittlung liefert die Massen (m², m³, Stück) aus dem Plan. Das Leistungsverzeichnis ordnet diesen Mengen standardisierte Positionen und Leistungstexte zu und macht daraus — mit Preisen — ein kalkulierbares und abrechenbares Dokument.

Wie exportiere ich ein LV nach Nevaris, ABK oder Auer Success?

Über die ONLV-Datei nach ÖNORM A 2063. Dieses Austauschformat wird von den gängigen AVA-Programmen wie Nevaris, ABK und Auer Success gelesen, sodass das LV inklusive Positionen und Preisen ohne Abtippen übernommen werden kann.

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